Lösungen für den Leerstand – Podiumsdiskussion
Wohin steuert das Nordbahnviertel?
Bernhard Odehnal von Zwischenbrücken & Sonja Harter von Nord.Post diskutierten am 21. Jänner 2026 mit der Architektin und Planerin Lina Streeruwitz, Andrea Mann vom Quartiersmanagement und “Starbike”-Inhaber Michael Knoll vom Einkaufsverein Bruno-Marek-Allee.
Einen ausführlichen Bericht zur Veranstaltung gibt es auch auf Zwischenbrücken.at
Das Nordbahnviertel gilt als eines der gelungensten Stadterweiterungsgebiete Europas. Doch wer heute durch die zentrale Bruno-Marek-Allee spaziert, erlebt ein zwiespältiges Bild: Urbanes Flair trifft auf zugeklebte Schaufenster und weite, graue Betonflächen. In einer Podiumsdiskussion im NordbahnSaal der HausWirtschaft diskutierten Expert:innen und Bewohner:innen über die Frage: Warum stehen so viele Flächen leer und wie wird das Viertel endlich lebendig?

Wer sind all die Menschen, die sich dazu entschieden haben, am Wiener Nordbahnhof zu wohnen und zu arbeiten? Was steckt hinter den Ideen für Baugruppen, alternative Lokale und Initiativen zur Belebung des Viertels?
In jeder Folge hörst du einen Menschen, der im Stadtentwicklungsgebiet Nordbahnhof lebt oder arbeitet oder das Viertel im Rahmen einer Initative belebt.
Am 21. Jänner 2026 haben Bernhard Odehnal von “Zwischenbrücken” und Sonja Harter von “Nord.Post” gemeinsam mit der Planerin Lina Streeruwitz, Andrea Mann vom Quartiersmanagement und Michael Knoll (Einkaufsverein Bruno-Marek-Allee, Starbike) über die Erdgeschoßzone im Nordbahnviertel gesprochen.

Die Vision: Mehr als nur Wohnen
Lina Streeruwitz, Architektin und Mitverantwortliche für den Masterplan, betonte in ihrem Impulsvortrag, dass das Viertel bewusst kompakt und hoch gebaut wurde, um die „Freie Mitte“ als grünes Herz zu erhalten. Durch die hohe Dichte gäbe es eigentlich genug „kritische Masse“ an Bewohner:innen, um das Erdgeschoß zu beleben.
Doch die Theorie stößt auf praktische Hürden:
- Große, teure Flächen sind schwerer zu vermieten als kleine, flexible Einheiten.
- Viele kleine Betreiber können sich den teuren Erstausbau der Rohbau-Flächen schlicht nicht leisten.









Das Erbe der Nordbahnhalle
Einig waren sich alle: Die Nordbahnhalle war der magische Moment des Viertels. Sie war ein Ort des Experimentierens, an dem Geigen und Surfbretter gebaut wurden. Dieses Gefühl von Freiheit und Gemeinschaft fehlt heute vielen. Streeruwitz mahnte jedoch, dass solche Projekte oft auf „Selbstausbeutung“ basieren und schwer in den wirtschaftlichen Dauerbetrieb zu überführen sind.
Management-Krise und Miet-Frust
Besonders hitzig wurde es beim Thema Erdgeschoßmanagement. Die ursprüngliche Idee: Eine Betreibergesellschaft (NBV) mietet alle Flächen an und sorgt für einen gesunden Branchenmix – ähnlich wie in einem Einkaufszentrum, wie Andrea Mann vom Quartiersmanagement erläuterte. Doch die NBV ging insolvent.
Michael Knoll, Inhaber von Starbike und Mitbegründer des Vereins „Einkaufsstraße Bruno-Marek-Allee“, berichtete von harten Realitäten:
- Mietpreise: Trotz des Wegfalls des Zwischenmieters blieben die Mieten für neue Lokale auf einem Niveau, das für viele Kleinunternehmer nicht tragbar ist.
- Fehlender Mix: Es herrsche das Gefühl vor, dass Flächen wahllos vermietet werden, Hauptsache kein Leerstand.
- Kommunikation: Die Zusammenarbeit mit dem Bauträgerkonsortium wurde phasenweise als „katastrophal“ beschrieben.
Ein Blick nach vorn: Was muss passieren?
Trotz aller Kritik bleibt Optimismus. „In zehn Jahren ist das hier alles voll und super“, prognostiziert Streeruwitz. Damit das gelingt, braucht es:
- Kleinteiligkeit: Vorbilder wie das Quartiershaus am Hauptbahnhof zeigen, dass 20–30 m² große „Mikro-Einheiten“ für enorme Belebung sorgen können.
- Kultur als Anker: Es fehlt an Unterstützung der Stadt für kulturelle Institutionen im Viertel.
- Lokaler Support: Die einfachste Lösung für jeden Bewohner? Lokal einkaufen! Jedes Buch bei O-Books und jede Reparatur bei Starbike sichert die Vielfalt vor der eigenen Haustür.
Fazit des Abends: Das Nordbahnviertel hat die „Hardware“ für einen großartigen Stadtteil. Damit die „Software“ – das echte Leben – einzieht, müssen Bauträger, Stadt und Bewohner enger zusammenrücken.
